Themen und Motive der Inuit
Kunst:
Auf den ersten Blick erscheinen die Inuit-Skulpturen relativ
homogen. Tatsächlich aber sind ihre Themen und Stilformen
ausgesprochen variabel. Die Motive und Themen der
zeitgenössischen Inuit-Kunst unterscheiden sich von Region zur
Region. Neben klassischen Motiven finden sich Darstellungen von
kunstvoll geschnitzten Tieren, wie tanzende Bären, Walrosse und
Eulen. Realistische Darstellungen wie Mutter und Kind, Jäger mit
Sohn, stehen neben surrealistischen und expressionistischen
Ansätzen, häusliches Leben ist ebenso Thema wie Dämonenfiguren,
Geister und Schamanen.
Der persönliche Stil der einzelnen Inuit-Künstler und
Künstlerinnen lässt sich bei genauerem Hinschauen leicht
erkennen. Manche KünstlerInnen wollen die Grenzen des Steins
ausweiten oder überspielen, sie schaffen dabei eine
bemerkenswerte Vielfalt an Figuren mit expressiven Gesten und
teils einer gewissen Theatralik. (Composition, Verwandelung der
Trummler als Shaman oder Tanzender Eule)
Das Volk der kanadischen Inuit hat weltweit den höchsten
Prozentsatz an KünstlerInnen. Der Grund dafür mag in den lange
überlieferten handwerklichen Fähigkeiten liegen, in den Mythen
und Traditionen, die in die Werke einfließen. Nicht zuletzt
spielt auch die Ermunterung durch den Staat eine Rolle, die
inzwischen auch zu übermannshohen Großfiguren geführt hat.
Unter der Verwandtschaft in
Grönland finden sich einige wenige SchnitzkünstlerInnen, dort
erarbeitet man hauptsächlich kleine Totenfiguren, so genannte
Tupilaks.
In Kanada schnitzen auch viele
Frauen Skulpturen. Andere spezialisierten sich auf Fell –
Stoffapplikationen oder Steindrucke, als die Regierung Web- und
Druckwerkstätten einrichtete, und Papier und Farben in den
Norden brachte.
Eine Künstlerin der ersten Stunden war Kenojuak Ashevak, heute
die Stammmutter eines ganzen Clans von KünstlerInnen. Sie war
bereits über 30 Jahre, als sie erste Zeichnungen zu Papier
brachte, die dann in Steindruck oder Kupferstich umgesetzt
wurden. Zwar gestaltet sie auch Skulpturen und Applikationen,
doch berühmt ist sie für die klare Linienführung und die
grafische Schlichtheit ihrer Zeichnungen, die viele nachfolgende
KünstlerInnen prägte. Im Gegensatz zu anderen KünstlerInnen
erzählt Kenojuak Ashevak in ihren Bildern selten alte Inuit
Mythen und Legenden. Statt dessen stellt sie Menschen, Geister
oder Tiere in den Mittelpunkt, besonders häufig Vögel und davon
Eulen in allen Spielarten. Ihre Grafiken finden sich heute auf
kanadischen Briefmarken und Münzen, sie erhielt nationale
Auszeichnungen und zwei Ehrendoktorwürden. Was ist Kunst? wurde
Kenojuak einmal gefragt, sie antwortete direkt: „Es ist das
Übertragen von Visionen aus dem Realen in das Unreale.“
Die Grafik der Inuit hat eine inzwischen vierzigjährige
Geschichte. Ihren Ursprung hatte sie in Cape Dorset auf Baffin
Island. Von hier aus breitete sich die Kenntnis der grafischen
Techniken auf andere Orte in den Northwest Territories und in
Nouveau Quebec aus. In jeder Region des arktischen Kanada
entstanden in kurzer Folge eines oder mehrere Grafik Zentren,
deren Produktionen in der Folge ihre eigene Note entwickelten.
Seit 1959 erscheinen an den einzelnen Orten jährlich
Kollektionen ausgewählter limitierter Drucke, die in ganz
Nordamerika und Europa ausgestellt und verkauft werden. Diese
Werke sind heute in öffentlichen und privaten Sammlungen im In-
und Ausland vertreten.